Messe & Event hat bei Österreichs Messeveranstaltern nachgefragt, wie es mit ihren Zukunftsperspektiven und Projekten aussieht, damit die Veranstalter im kommenden Messejahr 2022 wieder durchstarten können.

Sabine Tichy-Treimel, Messe Dornbirn

Messen sind ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Treffpunkt, vermitteln Wissen und Innovationen und sind echte Marktplätze. Sie sind so vieles, was uns in den letzten Monaten gefehlt hat und durch die digitale Welt nicht ersetzt werden kann. Messen schaffen, was Internetauftritte, Prospekte und Inserate nicht leisten können: Sie wirken multisensitiv und sprechen alle Sinne an, schaffen Raum für Begegnungen und Zeit für den persönlichen Austausch. Die geänderten Gegebenheiten und die sich wandelnden Erwartungen erfordern jedoch ein Umdenken. Genau darin und in den Stärken unserer Region sehen wir die Chancen für das kommende Messejahr. Für das Jahr 2022 gehen wir mit spezifischen ­Inhalten und einem neuen Format noch gezielter auf die Bedürfnisse von Ausstellern und Besuchern ein. Eine der Herausforderungen dabei wird sein, die wachsenden Anforderungen mit den wechselnden Rahmenbedingungen zu vereinen.

Armin Egger, Messe Congress Graz

Das Jahr 2021 war nach wie vor geprägt von Hochs und Tiefs, die es zu meistern galt. Wir als Messeveranstalter blicken nun aber weiterhin positiv gestimmt und zuversichtlich in das kommende Jahr 2022. Unsere Planungen für die bevorstehenden Messen, wie zum Beispiel die „Häuslbauermesse“, die „Bauen und Garteln“, die „Trends of Beauty“ oder auch die „Grazer Frühjahrsmesse“, laufen bereits auf Hochtouren. Die bestehenden und auch behördlich ­abgesegneten COVID-Konzepte machen es uns nach derzeitigem Stand möglich, die Messen konform, gut vorbereitet und unter Einhaltung aller Bestimmungen durchzuführen. Das Wohl der Aussteller, Besucher und Mitarbeiter steht für uns natürlich im Vordergrund, sodass wir sämtliche Vorkehrungen treffen, um den Messebesuch auf allen Ebenen angenehm zu gestalten. Wir freuen uns schon jetzt auf regen Austausch, informative Vorträge sowie spannende Präsentationen von und mit unseren Ausstellern.

Bernhard Erler, Kärntner Messe

Am Messeplatz Klagenfurt gehen – bedingt durch den Zweijahresrhythmus der „Agrarmesse Alpen-Adria“ und der „Internationalen Holzmesse“ – insgesamt elf Eigenmessen über die Bühne. Neu im Programm ist die „Alpe-Adria Classic ­Legends“, eine Messe für klassische Automobile, deren Premiere für 21. bis 24. 4. angesetzt ist. Der Blick in die nähere Zukunft fällt vorsichtig optimistisch aus. Die „Agrarmesse Alpen-Adria“, geplant für 21. bis 23. 1., ist bereits sehr gut gebucht. Ebenso gut nachgefragt sind die weiteren Messen des ersten und zweiten Quartals. „Prinzipiell spüren wir am Markt ein starkes Bedürfnis nach Messen und persönlichen Kundenkontakten. Allerdings sind einige Aussteller aufgrund der unsicheren Prognosen in Verbindung mit der Dynamik der Pandemie noch ­zurückhaltend.

Barbara Leithner, RX Austria & Germany 

Den Veränderungen durch die Pandemie ­sehen wir positiv entgegen. Ich darf hier einen Aussteller der „Alles für den Gast“ 2021 zitieren: „Der große Schwall an Messetouristen ist heuer ausgeblieben, aber dafür hatten wir selten so qualitativ hochwertige Gespräche mit wahren Fachbesuchern. Danke, dass ihr uns trotz aller Umstände diese Plattform zurückgegeben habt.“ Unser Firmenmotto lautet „We are in the business of building businesses“, und genau dieser Verantwortung werden wir auch in Zukunft nachkommen. Wir bei RX Austria & Germany haben in den letzten Monaten viel gelernt. Wir wissen nun, wie wir mit speziellen ­Situationen umgehen müssen und was unsere Kunden brauchen. Klar ist: Auch im nächsten Jahr braucht es Messen als Orte des Austausches. Aber unsere Zukunft ist definitiv hybrid, und das bedeutet eine ganzjährige Verzahnung von digital und analog.

Markus Oberhamberger, Brandboxx Salzburg

Mit großer Vorfreude begeben wir uns in das Veranstaltungsjahr 2022. Die Anfragen zu unserer Eventlocation nehmen zu. Die Unsicherheit ist noch sehr groß, jedoch haben wir die eine oder andere Veranstaltung bereits fixiert bzw. wurde manche aus dem Jahr 2021 ins Jahr 2022 verlegt. Mit Frau Mag. Valerie Gabel haben wir seit Oktober 2021 wieder eine Eventleitung im Haus. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich der Veranstaltungsbereich erholen wird, da den Menschen die persönlichen Zusammenkünfte ganz einfach fehlen.

Markus Tuider, Burgenland Messe

Wir werden weiterhin kämpfen und vor allem, sofern es zu keinem Lockdown kommt, veranstalten. Alles ist besser, als nichts zu tun. 2022 ist alles möglich, aber „nix is fix“.

Christian Mayerhofer, Congress und Messe Innsbruck GmbH

Für 2022 sind bei der Congress Messe Innsbruck alle eigenen Messen bereits in Planung, und wir freuen uns mit unseren Partnern, Ausstellern und Besuchern auf viele Neuheiten und Begegnungen. Unsere eigenen Messen sind: 

Hochzeiten & FesteTiroler Hausbau- und EnergiemesseFrühjahrsmesse mit Feel Good und ­Tiroler AutosalonFafga – Fachmesse für Gastronomie, Hotel und DesignAlpinmesseKreativmesseSenAktiv – Westösterreichs größte ­SeniorenmesseÖko Fair – die NachhaltigkeitsmesseInteralpin (alle zwei Jahre)

Die Sicherheit und die Gesundheit unserer Gäste stehen für uns an erster Stelle, daher halten wir stets alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen an unseren drei Standorten ein. Die Sicherheitssysteme kamen schon bei einer Vielzahl von ­unterschiedlichen Veranstaltungen zum erfolgreichen Einsatz. Es sollen alle Veranstaltungen umgesetzt werden, die rechtlich und tatsächlich möglich und für alle Beteiligten wirtschaftlich sinnvoll sind. Derzeit sind auch alle Gastmessen für 2022 in Planung. Diese ergänzen das wertige und vielfältige Messeprogramm am Standort Innsbruck.

Alexander Kiribus, Messezentrum Salzburg

„Jetzt erst recht“ – dieses Statement ist oft bei Besprechungen mit Gastveranstaltern und Ausstellern zu vernehmen. Denn die letzten eineinhalb Jahre haben klar gezeigt, was rein digitale Kommunikations- und Informationskanäle nicht können. Die Notwendigkeit des persön­lichen Kontakts zwischen Menschen ist keine Erfindung der Messe- und Event-Branche, sondern ein tiefes Verlangen in uns, wenn eine vertrauensvolle Basis ­geschaffen werden soll oder komplexe Sachverhalte zu erklären sind. Auf dieser Basis gibt es 2022 wieder ein reichhaltiges Programm an Konzerten, Shows, Events und Messen. Neu am Start befindet sich die Innovationsveranstaltung salz21, eine Drehscheibe für Start-ups, KMUs und Business Angels. Eine Erweiterung für die jüngere Generation bietet „Level Up“, an zwei Tagen ein Spektakel für eSports- und eGamingenthusiasten. Und einige Überraschungen wird es für 2022 auch noch geben.

Helmut Slezak, Messe Ried GmbH

Bis vor wenigen Tagen waren wir sehr positiv betreffend 2022 gestimmt. Aufgrund der letzten Corona-Entwicklungen sind unsere Vorfreude und auch der Ausblick jedoch getrübt. Für das Frühjahr 2022 haben wir vier Eigenmessen geplant. Wie viele davon realisiert werden können, kann zum heutigen Zeitpunkt nicht seriös beantwortet werden. Die Planungen sind jedenfalls extrem schwierig und bringen das ganze Team an seine Grenzen. Ebenso ist die wirtschaftliche Entwicklung derzeit schwer abschätzbar. Zum Glück konnten wir im September eine sehr erfolgreiche Landwirtschafts- und Herbstmesse veranstalten, dies hat uns für die nächsten Monate sehr geholfen. Betreffend Gastveranstaltungen wie Bälle, Konzerte, Weihnachtsfeiern und Kabaretts sieht es derzeit nicht gut aus. Viele Veranstalter haben bereits darauf verzichtet, in den nächsten Monaten Events abzu­halten, da sie das Risiko und die damit entstehenden Vorlaufkosten nicht tragen können oder wollen. Für die Messe- und Veranstaltungsbranche ist die Lage alles andere als einfach. Nichtsdestotrotz müssen wir das Beste aus der Situation machen und sind gewillt, alles was rechtlich möglich und gesundheitlich vertretbar ist, auch durchzuführen.  

Peter Lindpointner, Messen CMW Peter Lindpointner GmbH & Co KG

Keiner in der Messebranche kennt derartig schwierige Herausforderungen wie in den vergangenen 18 Monaten. Trotzdem möchten wir unserer Aufgabe „als Wirtschaftsplattform für unsere Aussteller“ unbedingt wieder nachkommen. Wir wissen von sehr vielen Ausstellern aus allen Branchenbereichen, dass sie uns als Plattform zum wirtschaftlichen Überleben ­benötigen. Im Jahr 2021 konnten wir ­zumindest zwei Messen durchführen. Für 2022 planen wir aktuell fünf Messen. ­Davon zwei Weinmessen in Innsbruck & Mondsee, zwei Gesundheitsmessen in Tulln & Wels und ein verändertes Format der Messe EVA „Messe für die Frau“ in der Messe Tulln. Aufgrund der derzeit wieder stark ansteigenden Zahlen sind wir aktuell bei der Überlegung, eventuell die Winter-/Frühlingsmessetermine in den Spätfrühling/Frühsommer zu verlegen. Die leider für unsere Branche so wichtige Planbarkeit ist derzeit wieder nicht gegeben. Wir hoffen & schauen positiv in die Zukunft! 

Robert Schneider, Messe Wels

Blickt man auf unseren Messekalender, so wird das Jahr 2022 das stärkste Messejahr, das wir je hatten. Allerdings sind auch die Unsicherheiten wiederum so hoch wie noch nie. Dazu kommt, dass Messegesellschaften wohl generell mit weniger Ressourcen und Personal in das neue Jahr gehen. Die letzten Messen haben gezeigt, dass wir kein Besucherproblem haben und die Menschen, wenn Messen stattfinden, diese geradezu stürmen. So hatten wir ­z. B. beim Caravan Salon Austria nur um 1.000 Besucher weniger als im Rekordjahr 2019. Dies stimmt uns positiv für das Jahr 2022. Allerdings haben wir „Angebotsprobleme“: Aufgrund der Weltwirtschaftslage können viele unserer Aussteller einfach nicht liefern oder produzieren und verzichten daher 2022 auf eine Messeteilnahme – mit der klaren Botschaft, 2023 wieder dabei zu sein. Inwieweit die ­COVID-Pandemie die Messekalender wieder durchrütteln wird, ist angesichts der brandaktuellen Lage auch noch nicht klar. Es bleibt spannend und heraus­fordernd.

Wolfgang Strasser, Messe Tulln

Trotz der negativen ­Erfahrungen des aktuellen Jahres und der momentan angespannten ­Corona-Situation sind wir für 2022 zuversichtlich – vorausgesetzt, Messen können grundsätzlich durchgeführt werden. Für das erste Quartal sind bei der Messe Tulln fünf große Eigenveranstaltungen geplant, die sich bisher sehr gut entwickeln. Das gelungene Comeback mit der Internationalen Gartenbaumesse Anfang September und weitere vier Messen im Herbst 2021 sowie die transparente und offene Kommunikation mit den Ausstellern geben die für eine Messepräsenz erforderliche Stabilität. Darüber hinaus sind die ­jeweiligen Messeformate der Messe Tulln am Markt klar positioniert. Die „HausBau+EnergieSparen“ ist jetzt schon sehr gut gebucht und kann im Jänner mit einem vollen Programm in die Bausaison starten, bei der „AustroVin Tulln“ wird der letzte Premierenerfolg mit einem weiteren Ausstellerzuwachs 2022 sogar übertroffen. Auch die Vorbereitungen für die „Boot Tulln“ und die „pool & garden“ sowie „Kulinar Tulln“ haben sehr erfreulich gestartet. Ein möglicher starker Saisonstart und die guten Voraussetzungen mit den neuen Messehallen lassen uns – jedoch mit allen Unsicherheiten der Pandemie – zuversichtlich in das kommende Jahr blicken.

Werner Roher, Messe Wieselburg

Das Jahr 2021 stellte für Veranstalter definitiv eine gewaltige Herausforderung dar und hat immer wieder schwierige Entscheidungen ­erfordert. Bei der Messe Wieselburg konnten von sechs geplanten Eigenmessen inklusive Volksfest nur die „Schule & Beruf“ abge­halten werden, bei der rund 6.000 Besucher den persönlichen Kontakt mit den Ausstellern genutzt haben. Bei der Planung wurde auf besonders viel Platz und entsprechende Hygienemaßnahmen großer Wert gelegt. Besonders erfreulich war zudem, dass die elf verschiedenen Produkt-Prämierungen der Messe Wieselburg (Ab Hof) und die Auszeichnung zum ­Bioprodukt des Jahres (Bio Österreich) ­erfolgreich durchgeführt werden konnten. Der Veranstaltungsbetrieb insgesamt ­köchelte auf „Sparflamme“ – lediglich als Impf- und Testzentrum war und ist man bis ins Jahr 2022 gebucht. Daneben war das Messe­gelände Standort für Veranstaltungen und Seminare mit erweitertem Platzbedarf, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Auch wenn es schade ist, dass wir unser geplantes Programm für 2021 nicht durchführen konnten, gehen wir mit der Hoffnung ins Jahr 2022, zumindest ab dem zweiten Quartal wieder halbwegs Normalität zu erreichen. Wir haben die Zeit genutzt und neue Konzepte und Formate ausgearbeitet und gleichzeitig ­digitale Tools in die Messe­abwicklung ­integriert.

Foto: Die Messe Graz war wieder Veranstalter der beliebten Grazer Herbstmesse. Neben den Themen Design, Genuss, Tradition, Bauen & Wohnen und Mode waren auch der Kunstpavillon und der Messestadl mit von der Partie. Action & Fun gab es im Vergnügungspark. © mcg/kanizaj 

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Quelle: Messe & Event Magazin
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Kategorien: Messebau

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